Stadtteil Potsdam Fahrland

Im Nordwesten von Potsdam ist der im 12. Jahrhundert erstmals als Dorf erwähnte Stadtteil Fahrland zu finden. Fahrland gehörte bereits von 1939 bis 1952 zu Potsdam, wurde danach aber wieder ausgegliedert und zur eigenständigen Gemeinde erklärt. Wie viele andere wurde das ehemals eigenständige Dorf im Jahr 2003 (in diesem Fall erneut) in Potsdam eingemeindet. Zu Fahrland gehören auch die beiden Teile Kartzow und Krampnitz. Mehr hierzu finden Sie weiter unten im Text.

Fahrland ist nördlich des Fahrlandsees gelegen. Die Besonderheit hierbei ist, dass das Nordufer des Fahrlandsees geografisch betrachtet den Mittelpunkt Brandenburgs bildet. So wie der nullte Meridian in London Greenwich besonders gekennzeichnet ist, ist auch dieser geografische Punkt hervorgehoben. So können Besucher ihn an der Edelstahlstehle erkennen.

Die erste urkundliche Erwähnung

Die erste urkundliche Erwähnung fand 28. Mai 1197, damals unter dem Namen „Vorlande“ statt. Das typisch deutsche Angerdorf entstand ab 1150, zur Zeit der Kolonialisierung, aus einer slawischen Fischer- und einer deutschen Bauernsiedlung. Ein heute nicht mehr existenter Burgwerder diente zu dieser Zeit dem Vogt (markgräflicher Siedlungsbeauftragter) und den deutschen Bauern als Sitz.

Im 13. Jahrhundert bestand Fahrland, neben umfangreichem Grundbesitz, aus dem Rittergut und weiteren, jedoch vom Gutsherren unabhängigen, bäuerlichen Besitzen. Diese waren ungefähr dreimal so groß wie der Grundbesitz des Rittergutes selbst. Außerdem verfügten sie über eine Mühle.

Die Dorfkirche Fahrlands wurde im selben Jahrhundert im gotischen Stil erbaut. 1709 wurde sie in einem weit schlichterem Stil grundlegend umgebaut. So wurde aus ihr eine typische märkische Backsteinputz-Dorfkirche. Ein gotischer Spitzbogen zwischen Turmvorraum und Kirchhalle ist jedoch noch erhalten. An der östlichen Wand sind außerdem von außen fünf Blendenöffnungen unterschiedlich großer, gotischer Fenster zu sehen. Der mittelalterliche Westquerturm wurde 1740 quadratisch aufgestockt, wurde 1774 verkleinert und musste vor einigen Jahren durch eine Stahlträgerkonstruktion stabilisiert werden, nachdem eine starke Neigung zum Kirchenschiff und damit Einsturzgefahr festgestellt worden. In ihm befinden sich drei Stahlgusseiserne Glocken, welche 1921 in Apolda gefertigt wurden.
Nach der letzten Sanierung im Jahr 1989 strahlt das Innere der Kirche eine helle und freundliche Atmosphäre aus. Doch auch hier ist der Anblick eher schlicht als gewaltig. Dennoch bieten einige wenige vergoldete Details und die Emporen ein paar optische Highlights in all der Schlichtheit. Auf verschlungenen Rokokoornamenten ruht die Kanzel an der Ostwand des Innenraumes. Die elektromechanische Orgel wurde 1930 von der Firma C.F. Steinmeyer eingebaut.

Im 18. Jahrhundert siedelten in Fahrland auch Leineweber, die Potsdamer Unternehmer mit ihren Waren bedienten. In der Weberstraße sind noch heute die typischen Weberhäuser zu finden.

Nach der Wiederausgliederung Fahrlands 1952 aus Potsdam spaltete sich die Kolonie „Neu Fahrland“ ab und wurde zu einer selbständigen Gemeinde erhoben. Auch Neu Fahrland ist heute einer von Potsdams eigenständigen Stadtteilen (Lesen Sie mehr unter Stadtteil Neu Fahrland).

1960 wurde die Kolonie Krampnitz und 1974 das Dorf Kartzow in den Ort Fahrland eingemeindet.

Zu DDR-Zeiten wurde neben der Bockwindmühle (ursprünglich waren es drei, doch es blieb nur eine erhalten) ein Obstkühllager gebaut. Der Fahrländer See wurde ab 1970 für die Fischintensivzucht verwendet. Nach dem Mauerfall konnte die Privatlandwirtschaft wiederbelebt werden.

Kartzow – Das kleine Straßendorf mit dem 66-Zimmer-Schloss

Erstmals schriftlich erwähnt wurde Kartzow, ursprünglich Cartzow, im Jahr 1357. Kartzow liegt am Rande der Döberitzer Heide. Es wird vermutet, dass das kleine Straßendorf ursprünglich einzeilig an der mittelalterlichen Handelsstraße erbaut wurde. Diese Lage sorgte auch für die Entwicklung des Dorfes. 1375 wird erwähnt, dass das Dorf aus einem Pfarrer mit dazugehöriger Kirche, zwei Adeligen, und vierzehn Kossätenhöfen (gemietet Kleinbauernhöfe; die Mieter/Pächter durften dort leben mussten jedoch ihren Verpächtern Zinsen, Naturalien wie Hühner, Eier, u.v.m. und zusätzlich ihre Dienste zur Verfügung stellen) bestand. Zu dieser Zeit lagen bereits fünf Höfe brach. Das Dorf verfügte außerdem über einen sogenannten „Krug“, einer Schänke, für Reisende und Anwohner.

Ab 1412 bis 1729 gehörte das gesamte Dorf der Familie Hünicke. Diese besaß unter Anderem auch Güter in Paaren und Satzkorn (beide heute ebenfalls Potsdamer Stadtteile). Ab 1624 gehörten zehn Vollbauern, ab 1708 sechs Dreihüfner einschließlich eines Schulzen (Schuldeneintreiber), vier Kossäten, ein Schmied und ein Dorfschäfer laut Aufzeichnungen zum Dorf. Nach 1729 wechselten die Besitzer des Dorfes häufig. 1840 gab es bereits 20 Wohnhäuser im Ort und das Rittergut gehörte Johann Carl Sietlow. Dieser brachte es zur wirtschaftlichen Blüte und ließ das Gutshaus 1850 schlossähnlich umbauen.

Dank der vorhandenen Brennerei und der guten Qualität der Ackerflächen übernahm der Berliner Spirituosenfabrikant Arthur Gilka Anfang des 20. Jahrhunderts das Rittergut. Er ließ das Gutshaus abreißen und von 1912 bis 1914 zum Schloss umbauen. Hierfür verantwortlich zeichnete sich durch der Berliner Architekt Eugen Schmohl. Er gestaltete ein Gebäude in barocker Formensprache zu einem repräsentativen, dreiflügeligen Bau. Danach war das Gebäude, das immerhin ganze 66 Zimmer vorzuweisen hatte, unter dem Namen „Landhaus Gilka“ bekannt. Nach dem Gilka 1937 verstarb, verkaufte seine Witwe das Rittergut. Neuer Besitzer war Major Eduard von Eickenhof–Reitzenstein, welcher das Gut 1939 seiner Tochter Alix Krossa überschrieb. Der Gutspark wurde 1940 durch Georg Potente zu einem Landschaftspark umgestaltet. Im gleichen Jahr wurden das Gutsgelände und -haus als Filmkulissen für den nationalsozialistischen Film „Kopf hoch, Johannes!“ genutzt.
1941 erwarb es schließlich der Staat und überließ es der Wehrmacht. Mit Ende des zweiten Weltkrieges wurden der Gemeinde Kartzow 50 Hektar des Landes des ehemaligen Gutbezirkes Döberitz zugesprochen. Ab dieser Zeit bis zum Jahr 1949 diente Rittergut als Flüchtlingsunterkunft für Umsiedler bzw. Heimatvertriebene. 1949 fand dann ein Umbau zu einem Kindergenesungsheim statt, welches von der Volkssolidarität betrieben wurde. 1974 bis 1992 nutzte man das Gutshaus als als Sanatorium für nierenkranke Kinder, welches durch sein erfolgreiches Wirken Bekanntheit erlangte. Ab 1998 stand das Gebäude ganze 4 Jahre leer. 2006 wurde es dann verkauft, um 2007 nach Denkmalpflege-Vorgaben aufwendig restauriert zu werden. Seit 2008 können Brautpaare im Schloss Kartzow heiraten. Außerdem können sie dort auch ihre Hochzeitsfeier ausrichten. Da das Schloss Kartzow seit 2010 auch einen Hotelbetrieb beherbergt lassen sich hier sogar bequem die Hochzeitsgäste unterbringen.

Bis ins Jahr 1873 bestimmten Häuser im Fachwerkstil mit Rohrdach das Erscheinungsbild des Ortes Kartzow. In ebendiesem Jahr gab es einen großen Brand, welchem die meisten Gebäude (inklusive der Kirche) zum Opfer fielen. Hiernach errichtete man überwiegend Gebäude in der Ziegelbauweise.
Die neue Kirche wurde 1879/1880 im neogotischen Stil auf dem Fundament der alten Kirche gebaut.

Als Architekt der neu errichteten Kirche wird der Berliner Theodor Prüfer vermutet. Ein Hinweis darauf ist eine Inschrift auf einer der drei Glocken. Die Fenster der Kirche sind mit Feldsteinen verblendet. Der Saalbau trägt ein Satteldach und besitzt einen polygonalen Chor. Außerdem befindet sich westlich der eingezogene, quadratische Turm dessen spitzes Dach Kreuz und Kugel verzieren. Durch eine fünfseitige Apsis wird die Kirche im Osten abgeschlossen. Ebenfalls östlich, aber auf dem Kirchhof, befindet sich das mittelalterliche Sühnekreuz aus Granitstein. Die Orgel auf der Westempore im Inneren der Kirche, erbaute 1886 die Orgelbaufirma Carl E. Gesell. Zwischen 1988 und 1995 wurde die Kirche umfassend saniert.

Bis 1952 war Kartzow eine eigenständige Gemeinde. Von da an bis ins Jahr 1974 gehörte es schon einmal zum Kreis Potsdam und wurde dann in den Ort Fahrland eingemeindet.

Krampnitz – Alte Kasern, neuer Stadtteil?

Zwischen dem Fahrländer See und dem Krampnitzsee entstand 1937 bis 1939, nach den Entwürfen des Berliner Architekten Robert Kisch, die Kasernenanlage Krampnitz. Sie beherbergte die Heeres-Reitschule und eine Fahrschule für militärische Gefährte wie z.B. Panzer. Seit 1992 wird die Anlage nicht mehr militärisch genutzt.

Rund 120 Hektar groß ist das ehemalige Militärgelände. Zu den auffälligen Bauwerken gehören das Offizierskasino, der bereits von weitem zu sehende Turm am Eingang der Anlage, das Fähnrichswohnheim und das Offizierswohnheim. Das Gelände mit den unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden vom Filmstudio Babelsberg für Filmdrehs genutzt und bot schon in Filmen wie Resident Evil, Inglourious Basterds, Effie Briest und Monuments Men eine spannende Kulisse.

Ab April bis September 2019 finden sonntäglich wieder kostenfreie Führungen, geleitet durch den Touristen-Service der Stadt Potsdam, statt.

Seit 2018 liegen Pläne vor, nach denen Krampnitz zu einem eigenen Stadtteil werden soll. Hier sollen Wohn- und Lebensraum, sowie Arbeitsplätze für rund 10.000 Bürger geschaffen werden. Bis Mitte 2022 soll eine Grundschule mit integriertem Hort fertig gebaut sein, die 450 Kindern die Schuldbildung im eigenen Ortsteil ermöglicht. Auch eine Sporthalle und ein Kleinspielfeld sind angedacht. In einem ehemaligen Speigebäude des Kasernengeländes soll die Schule ihren Platz finden. Mit Blick auf den geplanten, zentral liegenden Park. In einem naheliegenden ähnlichen Gebäude soll eine Kindertagesstätte mit Platz für rund 130 Kinder eingebaut werden. Durch einen modernen Anbau soll die Schule erweitert und beide Gebäude miteinander verbunden werden.

In Süd-Krampnitz soll in einer heruntergekommenen Halle ebenfalls eine neue Kindertagesstätte für ca. 162 Kinder entstehen. Diese erhält nach den aktuellen Plänen auch einen vielseitig nutzbaren Veranstaltungssaal.

Geplant ist, dass Krampnitz zu einem autonomen Stadtteil gedeiht. Es soll dringend benötigten Wohnraum schaffen und durch eigene Flächen für Gewerbe, Handel und Dienstleistungen kurze Wege und Arbeitsplätze für die Anwohner bieten. Ein innovatives Energiekonzept soll einen klimagerechten Betrieb des Ortsteils gewährleisten.

Fazit

Fahrland ist einen Wochenendbesuch wert. Es bietet im Nordosten die Grenze zum Naturreservoir Döberitzer Heide und somit tolle Wander-, Radfahr- und Betätigungsmöglichkeiten. Mit seinen zwei Kirchen und der oft genutzten Filmkulisse Krampnitz bietet es geschichtliche Abwechslung. Der Fahrländer See ist ein beliebtes Surfer- und Angelgewässer. Die einzige noch übrige (und nicht mehr am ursprünglichen Erbauungsort stehende) Bockwindmühle bietet eine privat betriebene Ausflugsgaststätte. Auch wiederbelebte Traditionsfeste wie Feuerwehrball, Osterfeuer, Erntedankfest, Martinsfest oder neuer feste wie die Rentnerweihnachtsfeier sind einen Besuch wert. Für Freunde der musikalischen Kultur gibt es Konzerte in den beiden Kirchen des Stadtteils.

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